
Nicht jeder ist gleich gefährdet, an Karies oder Parodontitis zu erkranken. Wie groß das individuelle Risiko ist, hängt von der Konzentration an Karieserregern in der Mundhöhle und der Qualität des Speichels ab. Der Zahnarzt bzw. Kieferorthopäde kann diese Parameter bestimmen und auf der Grundlage der Ergebnisse ein entsprechendes Prophylaxeprogramm für den einzelnen Patienten entwickeln.
An der Entstehung von Karies und Parodontitis sind verschiedene Bakterien maßgeblich beteiligt. Wichtige Erreger sind die Streptokokken und Laktobazillen. Mit Hilfe einer Speichelprobe kann der Zahnarzt bzw. Kieferorthopäde feststellen, wieviele Erreger sich in der Mundhöhle aufhalten. Sind es mehr als eine Million Streptokokken oder über 10.000 Laktobazillen pro Milliliter Speichel ist die Gefahr groß, an Karies zu erkranken oder eine Zahnfleischentzündung zu entwickeln.
Dem Speichel kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu, da er die Zähne und das Zahnfleisch schützen kann. Der Grund dafür ist einfach: Die Oberfläche der Zähne, der Zahnschmelz, wird ständig ab- und aufgebaut. Die Säuren, die die Bakterien in der Mundhöhle aus Zucker produzieren, entziehen dem Zahn Kalzium, der Speichel führt dem Zahn das Kalzium wieder zu. Es besteht ein ständiger Kreislauf der Ent- und Remineralisation des Zahnschmelzes. Außerdem kann Speichel die Säuren neutralisieren und so einen Angriff auf den Zahnschmelz verhindern oder wenigstens verringern. Speichel reinigt die Zähne auch von Speiseresten und Mikroorganismen.
Diese Aufgaben kann der Speichel nur dann erfüllen, wenn er in ausreichender Menge und Qualität produziert wird. Andernfalls steigt das Risiko für Karies und Parodontitis sprunghaft an. Die Ursachen für mangelnden Speichelfluß und -qualität sind vielfältig. So geht die Speichelproduktion mit zunehmendem Alter oft zurück. Auch Arzneimittel, z.B. blutdrucksenkende Medikamente oder Psychopharmaka, können die Speichelproduktion verringern.
In unserer Praxis wird eine Probeentnahme erfolgen. Dieses geschieht über eine Papierspitze, die in die Zahnzwischenräume eingetaucht wird und in ein Teströhrchen kommt. Die Probe trocknet und die Bakterien sterben. Die DNA ist jedoch über längere Zeit stabil. Im Labor werden dann über spezielle molekularbiologische Nachweisverfahren die Bakterien ermittelt.
Das Ziel dieses Testes ist die Identifizierung von Risikopatienten vor Beginn einer kieferorthopädischen Therapie sowie die Motivation des Patienten zur Intensivierung von Mundhygienemaßnahmen.